„Bei uns gibt es doch nichts zu holen." Dieser Satz fällt in fast jedem Erstgespräch zum Thema Sicherheit, und er beruht auf einem Missverständnis darüber, wie Angriffe heute funktionieren.
Es sucht niemand gezielt nach dir. Es scannt jemand automatisiert das ganze Netz nach angreifbaren Systemen, und was gefunden wird, wird angegriffen. Deine Größe spielt dabei keine Rolle. Deine Zahlungsbereitschaft schon — und kleine Betriebe zahlen häufiger, weil sie keine Woche Stillstand überstehen.
Wie ein Angriff wirklich abläuft
Nicht wie im Film. Meist so:
- 01ZugangPhishing, wiederverwendetes Passwort, offene Fernwartung.
- 02UmsehenTage bis Wochen. Wo liegen Daten, wo die Sicherungen?
- 03Sicherungen zerstörenZuerst. Nicht zuletzt.
- 04VerschlüsselnOft freitagabends.
- 05ErpressenFür die Entschlüsselung und gegen die Veröffentlichung.
Eine Sicherung, die im selben Netz hängt und mit denselben Zugangsdaten erreichbar ist, ist in Stufe drei weg. Erpresst wird zunehmend doppelt: für die Entschlüsselung, und noch einmal dafür, dass die kopierten Daten nicht veröffentlicht werden.
Die vier Maßnahmen, die zählen
Eine Sicherung, die niemand löschen kann. Unveränderlich für einen festgelegten Zeitraum oder physisch getrennt. Details in Ein Backup ist noch keine Datensicherung.
Zwei Faktoren überall, wo von außen zugegriffen wird. Fernwartung, VPN, Webmail, Cloud-Dienste. Das schneidet den häufigsten Weg hinein ab.
Updates, die tatsächlich laufen. Nicht „ist eingerichtet", sondern eine Liste, auf der steht, welches Gerät wann zuletzt aktualisiert wurde.
Getrennte Rechte. Wer den ganzen Tag mit Administratorrechten arbeitet, übergibt sie einem Schadprogramm gleich mit.
Was du im Ernstfall tust
Netzwerkkabel ziehen, WLAN aus — aber nicht ausschalten. Ein laufendes System enthält Spuren, die nach dem Neustart weg sind.
Dann: Anzeige erstatten und die Versicherung informieren. Nicht zahlen, ohne mit jemandem gesprochen zu haben, der das beurteilen kann. Und den Vorfall melden, wenn personenbezogene Daten betroffen sind — Art. 33 DSGVO gibt dafür 72 Stunden.
Die unangenehme Wahrheit: Der Zeitpunkt, an dem diese vier Maßnahmen etwas kosten, ist vorher. Nachher kosten sie nichts mehr, weil es zu spät ist.
Wie verbreitet das inzwischen ist und was davon kleine Betriebe wirklich trifft, steht in 289 Milliarden Schaden — und was davon dich betrifft.