Der Landkreis Northeim baut seit 2016 Breitband aus, und die aktuelle Stufe betrifft uns direkt: Seit Mai 2026 läuft der geförderte Glasfaserausbau unter anderem in Uslar, Bodenfelde, Hardegsen, Einbeck und Dassel. Bis voraussichtlich Ende des ersten Quartals 2028 sollen mehr als 250 Kilometer Glasfaser bis in die Häuser liegen.
Parallel dazu läuft seit November 2025 ein eigenes Projekt für die Gewerbegebiete — Uslar ist dabei, zusammen mit Einbeck, Dassel und Bodenfelde. Dort sollen 261 Adressen bis zu 1000 beziehungsweise 2000 Mbit/s bekommen; der Abschluss war für Herbst 2026 vorgesehen.
Für viele Betriebe hier ist das der erste echte Sprung seit Jahren. Und für manche der Moment, in dem das Telefon ausfällt, wenn niemand vorher nachgedacht hat.
Die Leitung ist nicht das Problem
Schnelleres Internet ist der einfache Teil. Der Anschluss wird gelegt, ein Gerät kommt an die Wand, es läuft.
Kompliziert wird es beim Telefon. Denn mit dem Glasfaseranschluss verschwindet der Weg, über den die Telefonie bisher lief. An der alten Telefondose kommt nichts mehr an. Alles läuft künftig über das Internet — über SIP, also über dieselbe Leitung wie die Daten.
Wer eine Telefonanlage im Keller stehen hat, merkt das als Erster.
- Monate vorherVertragsart klärenBleibt der Anlagenanschluss? Oder wird daraus ein Tarif mit Einzelrufnummern?
- DannRufnummern auflistenJede Durchwahl, jede MSN. Portierung schriftlich bestätigen lassen.
- DannTelefonanlage prüfenGibt es ein SIP-Modul vom Hersteller? Sonst Gateway oder Ablösung einplanen.
- Vor dem TerminStrom bedenkenOhne Strom kein Telefon. USV für ONT, Router und Anlage.
- UmstellungAußerhalb der ÖffnungszeitenRufumleitung aufs Mobiltelefon als Rückfallebene.
- DanachAlles durchtelefonierenJede Durchwahl einmal von außen anrufen. Auch das Fax.
Die vier Fragen, die vorher geklärt gehören
Bleibt der Anlagenanschluss? Wer heute einen Anlagenanschluss hat, hat in der Regel einen Rufnummernblock mit Durchwahlen. Beim Wechsel wird daraus nicht automatisch wieder einer. Manche Angebote enthalten stattdessen ein paar Einzelrufnummern — und dann sind die Durchwahlen weg. Das steht im Kleingedruckten und fällt sonst erst am Umstellungstag auf.
Kommen alle Rufnummern mit? Jede Durchwahl, jede MSN, auch die alte Faxnummer, die keiner mehr benutzt, auf der aber noch Bestellungen eingehen. Lass dir die Portierung schriftlich bestätigen, mit Liste.
Kann die Telefonanlage SIP? Viele Anlagen der letzten fünfzehn Jahre können es, wenn ein Modul nachgerüstet wird. Ältere brauchen ein Gateway davor. Was ein SIP-Trunk überhaupt ist und wann er die eigene Anlage ersetzt, steht in SIP-Trunk statt Telefonanlage im Keller. Und bei manchen ist die ehrliche Antwort, dass sich die Nachrüstung nicht mehr lohnt.
Was passiert bei Stromausfall? Das ist der Punkt, der am meisten überrascht. Der alte Analoganschluss wurde aus der Leitung mitversorgt — bei Stromausfall ging das Telefon oft noch. Glasfaser nicht. Fällt der Strom, sind ONT, Router und Anlage tot, und damit das Telefon. Wer im Notfall erreichbar sein muss, braucht eine USV oder einen Plan über das Mobilnetz.
Was ich Betrieben rate
Frag früh nach dem Termin. Der Ausbau läuft in Abschnitten, und die Vorlaufzeit ist die Zeit, in der man etwas ändern kann. Für Fragen zum geförderten Ausbau nennt der Landkreis die Adresse [email protected].
Prüf, ob es überhaupt dich betrifft. Neben dem geförderten Ausbau der Telekom ist auch Deutsche Glasfaser in der Region unterwegs. Welcher Anschluss an deiner Adresse möglich ist, sagt dir nur die Verfügbarkeitsprüfung für genau diese Adresse — nicht die Übersichtskarte für den Ort.
Nimm die Umstellung als Anlass, nicht als Störung. Wenn die alte Anlage ohnehin nachgerüstet werden müsste, ist das der Moment, ehrlich zu rechnen. Eine Anlage, die weiterbetrieben wird, weil sie schon da ist, kostet über fünf Jahre oft mehr als der saubere Schnitt.
Leg den Termin außerhalb der Öffnungszeiten. Und richte vorher eine Rufumleitung aufs Mobiltelefon ein. Wenn dann etwas hakt, ist es unangenehm statt existenziell.
Danach: einmal alles durchtelefonieren
Nach der Umstellung ruft man jede Durchwahl einmal von außen an. Vom Mobiltelefon, nicht aus dem Haus.
Klingt übertrieben. Ist es nicht. Der häufigste Fehler nach einer Umstellung ist nicht, dass das Telefon tot ist — das fällt sofort auf. Es ist, dass eine einzelne Durchwahl ins Leere läuft und das drei Wochen niemand merkt.